Feldversuch: Ich fahre kostenlos Bahn.

Aktuell bietet der Verkehrsverbund Rhein-Neckar eine Testphase seiner neuen App „VRN eTarif“ (entwickelt von SevenRE) an. Die Version der App ist noch 0.1.1, somit kann davon ausgegangen werden, dass die Testphase noch ein wenig dauert. Der Clou: Tester nutzen die App zwar wie im Regelbetrieb, müssen aber noch nicht dafür zahlen. Kontodaten müssen bei der Anmeldung nicht angegeben werden (siehe Bilder im Bericht)

Ich selbst will mich hier mehr mit dem Test der App beschäftigen und weniger mit der grundsätzlichen Anwendung. Hierzu gibt es beim Zugreiseblog einen guten Bericht inklusive detaillierter Anleitung.
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Beim Testen fallen mir so einige Sachen auf. Diese möchte ich in der nächsten Zeit hier auf diesem Medium dokumentieren – immerhin darf ich ja als Gegenleistung für umme fahren. Ich fange einfach mal mit meinen ersten Erkenntnissen an, gegliedert in offensichtliche Bugs, Gedanken zu Verbesserungen und grundsätzliche Fragen, die sich mir stellen. Rahmenbedingungen: iPhone 6s+, iOS 10.2, Spracheinstellung Englisch, App Version 0.1.1.

Bugs:

  • Bei englischer Systemsprache steht „Preisauskunft“ auf deutsch im Menü
  • Auch die Info über die Testphase ist auf deutsch
  • das Ticket ist auf deutsch trotz englischer Spracheinstellung
  • Bereich Info & Hilfe komplett auf Deutsch
  • Beim Zoom in die Karte schmiert die App öfters ab oder das Tracking hängt
  • Der Warenkorb-Button verschwindet plötzlich. Nur ein Neustart der App lässt ihn wieder anzeigen
  • Binnen 48h hat die App knapp 12mb über das Datennetz gezogen. Was wird denn neben GPS (was keine Daten verbraucht) noch geladen?

Verbesserungen:

  • Hinterlegen von Stammhaltestellen an denen man an Login/ Logout erinnert wird
  • Nutzung von Favoriten bei den Haltestellen
  • Eingabe des Ziels mit Reminder zum Ausstieg 
  • Erweiterte Suchmöglichkeiten: nach bestimmter Zeit, Filter auf verschiedene Transporttypen – analog zur VRN Seite
  • Die App Citymapper macht es vor: während der Fahrt (vorausgesetzt, die Destination ist bekannt) könnten die verbleibenden Stationen bis zum Ausstieg angezeigt werden
  • Benötigt es denn wirklich die Anzeige der Luftlinie auf einer Karte? Welchen Mehrwert hat die Info außer zu sehen, dass das Tracking läuft? Man könnte den Platz für sinnvollere Infos nutzen.

Offene Fragen:

  • Wie lange darf ich während einer Reise irgendwo fest aufhalten bis mein Ticket verfällt? Beispiel: auf dem Weg
    zur Arbeit schnell einkaufen gewesen, Arzttermin usw. Evtl. hilft eine Funktion „Reise pausieren“.
  • Wieso muss die ganze Zeit GPS getrackt werden und nicht nur beim Login und Logout? Das frisst Akku.
  • Wie schaut es mit dem Datenschutz aus?
  • Was passiert mit den getrackten Bewegungsdaten – werden diese dauerhaft gespeichert?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass die App nicht auch in der Zeit ohne Fahrt Bewegungsdaten trackt?
  • Woran erkennt der Kontrolleur, dass ich ihm nicht einen bearbeiteten Screenshot zeige? Kann er den alphanumerischen Code auf dem Ticket auswendig?

Übrigens: Bis heute habe ich übrigens nicht den Unterschied zwischen RNV und VRN verstanden…

UPDATE 26.01.2017: Email von RNV „VRN eTarif – Ende der Testversion“

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bedanken uns für die Nutzung unserer Testversion, für Rückmeldungen und Hinweise.

Um weiterhin Tickets des VRN eTarifs zu kaufen, ist die Eingabe Ihrer Bezahldaten notwendig.

Sie werden daher bei der erneuten Nutzung der eTarif-App aufgefordert, Ihre Zahlungsmethode anzugeben. Dabei können Sie zwischen Lastschriftverfahren und Kreditkartenzahlung wählen.

Eine weiterhin gute Fahrt mit dem
VRN eTarif wünscht Ihnen
Ihre Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv)

Wir haben immer noch v0.1.1 der App.

5 Antworten auf „Feldversuch: Ich fahre kostenlos Bahn.“

  1. Zum Unterschied:
    VRN = Verkehrsverbund Rhein Neckar. Ein Verbund vieler Verkehrsunternehmen in der Region, bei denen dann der einheitliche Tarif des VRN gilt. Tickets kannst du bei jedem beliebigem Unternehmen im VRN kaufen und dann auch bei allen anderen Unternehmen mit benutzen. Das VRN-Ticket, welches von der Deutschen Bahn ausgestellt wurde, gilt auch in der Straßenbahn (und umgekehrt).

    RNV = Rhein-Neckar-Verkehr GmbH. Das ist eines der Unternehmen im VRN. Die betreiben Busse und Straßenbahnen in Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg. Außerdem sind sie bei der App mit involviert, aber dank einheitlichem Tarifsystem darfst du die App natürlich auch in allen anderen Unternehmen des VRN nutzen.

  2. Der VRN ist ein Verkehrsverbund in einem bestimmten Gebiet, in dem die Preise und Strecken der Transportunternehmen (RNV ist eines davon) koordiniert werden. Das heißt: Wenn Du von A nach B fährt und dabei zum Beispiel einen Bus der BRN, S-Bahn der RNV und einem Bus des Nahverkehrs Hohenlohekreis nimmt, ziehst Du als Kunde nur eine VRN-Fahrkarte. Wenn es den Verbund nicht gäbe, müsstest Du je eine Karte vom BRN, ein zweite des RNV und eine des BRN ziehen.

    Die Verwirrung mit VRN und RNV kommt daher, weil beide Verbund im Namen haben. Die RNV eigentlich ein Transportunternehmen, dass aus mehreren Transportunternehmen im Raum Heidelberg/Mannheim/Ludwigshafen fusionierte. Ein „Unternehmensverbund“ im Verkehrsverbund „VRN“ sozusagen.

    Die RNV hat sich 2005 gegründet, weil die EU seinerzeit den Verkehrsmarkt liberalisierte. Vorher konnten die Kommunen bestimmen, welches Unternehmen in ihrem Gebiet den ÖPNV übernahm, nach der Liberalisierung musste dies ausgeschrieben werden. Seitdem wird der ÖPNV in einem Gebiet europaweit für X Jahre ausgeschrieben (ich glaube für 15 Jahre). Hierbei können neben den öffentlich-rechtlichen Betrieben auch private Unternehmen mitmachen. Sprich: Ein französisches Busunternehmen kann den Zuschlag erhalten in einem Landkreis den ÖPNV für 15 Jahre zu übernehmen, wenn sie das besser Angebot vorlegen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und private Anbieter rauszuhalten, haben mehrere kommunale ÖPNV-Betriebe sich zur RNV zusammengetan. Sonst hätte es passieren können, dass ein französischen Unternehmen in Heidelberg fährt, ein tscheches in Mannheim und ein deutsches in Ludwigshafen. Und vielleicht hätten die sich dann nicht auf gemeinsame Tarife einigen können und der VRN wäre im Arsch gewesen.

    1. @jnsnb. Nein, ich hatte mich mal vor mehr als zehn Jahren mit einem vom RNV darüber unterhalten, warum HSB, MVV und so fusioniert haben. Und wie @Rami bemerkt hat, hab ich diese Sachen mit URN und VRN durcheinander gebracht.

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